Was ist die Rhizarthrose ?
Das Daumensattelgelenk ist eines der wichtigsten Gelenke des menschlichen Körpers und vor allem im Bereich der Hand. Es wird gebildet von der Basis des ersten Mittelhandknochens und einem der Handwurzelknochen, dem so genannten Trapezbein (Os trapezium), welches wegen seiner Form so bezeichnet wird. Durch seine einzigartige Sattelgelenksform erlaubt es äußerst komplexe Bewegungen und stellt daher ein wichtiges Element für die Funktionalität des Daumens als Gegenspieler zu den übrigen Fingern dar. Immer, wenn bei Griffformen der Daumen in die Oppositionsstellung genommen wird, wie z. B. bei dem Spitz- oder Schlüsselgriff, erfolgen diese Bewegungen auf Höhe des Sattelgelenkes.
Der Verschleiß am Daumensattelgelenk ist eine der häufigsten Arthrose-Erkrankungen im Bereich des Bewegungsapparats.
Symptome
Die typischen Symptome sind Schmerzen im Bereich der Daumenbasis, die bei Griffen auftreten, an denen der Daumen beteiligt ist. Häufig sind die Schmerzen derart stark, dass Gegenstände fallen gelassen werden. In der Regel besteht zunächst ein reiner Bewegungsschmerz. Wenn die Daumensattelgelenksarthrose fortgeschritten ist, kann aber auch eine gewisse Ruheschmerzkomponente und eine Kraftminderung hinzukommen.
Besonders bei alltäglichen Verrichtungen wie z.B. beim Öffnen eines Schraubverschlusses oder beim Greifen kleiner Gegenstände, wenn beim Spitzgriff gegen die Fingerkuppen Druck auf das Sattelgelenk kommt, entstehen Schmerzen.
Wiederkehrend kann das Gelenk auch geschwollen, überwärmt und sogar gerötet imponieren mit verstärkten Schmerzen. Dieser Zustand wird als aktivierte Arthrose bezeichnet und hält oft durchaus ein paar Tage an.
Diagnose
Die Diagnose lässt sich in der Regel leicht durch das äußere Erscheinungsbild, die Beschwerden und den Untersuchungsbefund stellen. Die Röntgenaufnahme des betroffenen Handgelenkes bzw. des Daumenstrahls bestätigt dann die Diagnose und zeigt im Bereich des Daumensattelgelenkes einen verschmälerten bis aufgehobenen Gelenkspalt. Durch das Röntgenbild ist auch die Abgrenzung gegenüber anderen Verschleißveränderungen an der Handwurzel möglich. Problematisch ist manchmal die Abgrenzung der Frühformen, wenn das Beschwerdebild passt, aber im Röntgenbild noch kein Verschleiß erkennbar ist. Dann kann manchmal auch eine Kernspintomographie (MRT) erforderlich werden.
Konservative Behandlung
Am Anfang jeder Behandlung steht in der Regel die nichtoperative (konservative) Therapie. Hier kommen vor allem lokal wirkende entzündungshemmende Mittel (z. B. Ibuprofen, Voltaren, Diclofenac etc.) zum Einsatz, meist kombiniert mit einer Ruhigstellung des Daumens in einer Manschette (Daumensattelgelenksorthese). Insbesondere im wiederkehrenden Stadium der aktivierten Arthrose ist dies sinnvoll. Jedoch sollte jedes noch so verschlissene Gelenk möglichst in Bewegung gehalten werden und nicht dauerhaft ruhiggestellt werden. Zudem sind v. a. aktive Patienten durch die anliegende Schiene in ihrem Bewegungsausmaß im Alltag doch deutlich eingeschränkt.
In der nächsten Stufe der Behandlung kommen die Röntgentiefenbestrahlung und im Weiteren das Einspritzen von Substanzen mit lokaler Wirkung (Kortison, Radiosynoviorthese) in Betracht, deren Wirksamkeit, Wirkintensität und Wirkdauer von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein können.
Eine Heilung ist auf diesem Weg jedoch nicht möglich.
Bei entsprechender Einschränkung der Einsatzfähigkeit und der Lebensqualität sowie entsprechender Schmerzzunahme kommen dann sinnvolle operative Maßnahmen in Betracht
Operative Behandlungen
Sattelgelenksarthroplastik
Bei weiter fortgeschrittener Arthroseform, vor allem wenn das darunterliegende, angrenzende STT-Gelenk auch betroffen ist, hat sich die Resektions-Suspensions-Interpositions-Arthroplastik mit sehr guten Resultaten bewährt. Dabei wird der Handwurzelknochen entfernt und ein Streifen einer Sehne am Unterarm entnommen, mit dem ein Gelenksersatz gebildet wird.
Dabei wird das große Vieleckbein entfernt und die Stabilisierung des Daumens durch eine Sehnenaufhängung gewährleistet. Das Verfahren hat keine negativen Auswirkungen auf die Funktion dieser Sehnen.
Die Nachbehandlung besteht in einer vierwöchigen Ruhigstellung mit einer Gipsschiene. Anschließend wird mit Handtherapie begonnen. Wichtig für Sie als Patient ist es, dass Sie wissen, dass es bis zu sechs Monate nach der Operation dauern kann, bis eine völlige Belastbarkeit wieder eintritt. Dabei kann eine mäßige Kraftminderung verbleiben, die jedoch durch die Schmerzlinderung aufgewogen wird.
Der prothetische Gelenkersatz
Wenn die Gelenkform trotz der Arthrose noch weitestgehend erhalten ist, kann nach Entfernung der arthrotischen Gelenkflächen eine Prothese in den Mittelhandknochen (Hemiprothese), z.B. aus Pyrocarbon oder Keramik, oder eine Totalendoprothese eingesetzt werden. Auch wenn sich der prothetische Gelenkersatz an den Fingergrund- und Mittelgelenken längst als sichere Methode bewährt hat, ist ein wesentlicher Vorteil der Prothese am Daumensattelgelenk in der klinischen Anwendung meiner Erfahrung nach bisher nicht erkennbar. Dies mag besonders durch den außergewöhnlichen Bewegungsumfang des Sattelgelenkes bedingt sein. Hier bleiben die Ergebnisse von Langzeituntersuchungen und die technischen Fortschritte der Industrie abzuwarten.
Die Versteifung (Arthrodese)
Dies ist eine nur noch in Ausnahmefällen angewandte Methode, die aber durchaus ihre Indikation haben kann. Wenn es nach einem Bruch (Fraktur) der Basis des 1. Mittelhandknochens beim jüngeren Menschen zur Arthrose kommt und eine wesentliche Kraft der Hand beim schwer arbeitenden Patienten erforderlich ist, so kann die Arthrodese Sinn machen. Hierbei werden nur die verschlissenen Gelenkflächen abgetragen und beide Knochenflächen in einer funktionell günstigen Position aufeinander gesetzt. Die Stabilisierung erfolgt durch eine Titanplatte. Nach einer etwa 4-6wöchigen Ruhigstellung kann vorsichtig mit der Belastung begonnen werden. Hier muss erwähnt werden, dass die knöcherne Heilung häufig lange dauert und gelegentlich ausbleibt. Diese so genannte Falschgelenkbildung (Pseudarthrose) kann zum Plattenbruch führen und erfordert dann eine erneute Operation mit Knochenanlagerung vom Beckenkamm.